Sneak Peek

jahrhundertflut
Jahrhundertflut

Eines meiner laufenden Projekte geht diese Woche ins Lektorat. *freu*

Gemeinsam mit den Autor*innen Gisela Kruyer, Sandra Rochaz, Nina Weber, Norbert Görg und Oliver Kreuz entstand eine abgedrehte Sammlung von Geschichten zum Thema Hochwasser.

Die Idee zu dieser Anthologie wurde im letzten Sommer geboren, als der Wettergott Köln in Dauerregen gefangen hielt und der Rhein stieg und stieg. Köln hat eine lange Geschichte von Hochwasserdramen aufzuweisen und diese Geschichte ist längst nicht am Ende angekommen. Was wäre, wenn – das Wasser nicht aufhört zu steigen?

Mit dieser Frage starteten wir in das Projekt. Dabei stand nicht das Wasser selbst im Vordergrund, sondern dessen Einflussnahme auf den jeweiligen Protagonisten – als Symbol der Transition, von Gefühlen und Gedanken, von Persönlichkeit und Bewusstseinsstrom, von der Vergangenheit zur Zukunft, vom Leben zum Tod. Wir Autoren haben unsere Gedanken in viele Richtungen fließen lassen und herausgekommen sind zehn spannende Geschichten, die stellenweise weit über die Grenzen der Realität ausufern.

Ich halte Euch auf dem Laufenden.

Zeitlos

stern-buch

Erzählungen rund um die Heilige Nacht: Folget dem Stern*

Letztes Jahr hab ich mit meiner lieben Autorenkollegin Sandra Rochaz für die begleitende Lesung zu einem Weihnachtskonzert des Duo Sanguitar einige Geschichten geschrieben, die die Ereignisse rund um die Heilige Nacht aus selten beachteten Blickwinkeln erzählen.

Das Ebook, veröffentlicht auf neobooks, ist auch dieses Jahr auf verschiedenen Plattformen erhältlich: Amazon, Thalia, Google Play, iBooks Store, Kobo, Weltbild

Klappentext: Vor 2.016 Jahren machte sich eine illustre Gesellschaft auf die weite Reise nach Jerusalem, um die Geburt eines Erlösers zu bezeugen. Ihnen voran ging ein Stern, mit ihnen eine Prophezeiung. Begleiten wir die Weisen ein Stück des Weges, von Babylon bis Bethlehem, von Herodes zu Josef, Maria und dem Kind. Werfen wir einen Blick in die Köpfe und Herzen der Ikonen der Heiligen Nacht, deren Geschichte soviel Einfluss nahm auf die Menschheit.

Es gibt noch eine Handvoll gedruckte Exemplare, die man hier bestellen kann.

Blockiert

schreibblockade

Über den Matsch im Kopf.

Heute möchte ich ein paar Worte über Schreibblockaden verlieren.
Diesen sogenannten Writer’s Block musste auch mein persönlicher Writer Blog in den letzten Wochen erfahren: absoluten Stillstand auf der Textschöpfungsebene, eine Art von kreativem Sommerloch.

Ich kann nicht an einem Punkt festmachen, wann und wieso die Blockade auftrat. Es war eher so, dass sie sich unbemerkt eingeschlichen, dann breitgemacht und festgesetzt hat.
Nicht in Form der oft erwähnte Angst vor dem leeren Blatt. Mit leeren Blättern kann ich umgehen. Sobald ich die Ecken vollgedoodled habe, sind sie ohnehin nicht mehr leer.

Es fühlte sich eher so an, als hätte sich die Gehirnmasse den Aggregatzustand gewechselt – von fest über gallertartig zu flüssig, später, auf dem Höhepunkt, von flüssig zu gasförmig. Schließlich waren alle Synapsenverbindungen gelöst und die Gedanken wurden ungreifbar. Ich verlor meine Fähigkeit, eine Essenz aus den Impulsen zu destillieren. Ich sah sie vorbeifliegen, war aber zu langsam, auch nur einen davon zu fangen.
(Und nein – ich konnte auch nicht mit einem Ball darauf schießen, um sie wie ein Pokemon zu erlegen.)

Jedes Mal, wenn ich nur daran dachte, an einem meiner Projekte weiterzuarbeiten, blinkten in meinem Kopf Ausrufezeichen auf, um mich an „wichtigere“ Dinge zu erinnern, die unbedingt zuerst erledigt werden mussten. Vorzugsweise Dinge, die man mit den Händen erledigen konnte, ohne intensive Kopfarbeit. Du kennst das: Prokrastination.

Die Gründe für diesen Zustand möchte ich nicht verallgemeinern, denn sie ankern jeweils in den persönlichen Umständen, genannt Leben. Dem einen steht sein eigener Perfektionismus im Weg oder eine sich schnell nähernde Deadline. Der andere lässt sich von zu vielen Ideen ablenken. Einige quält die Angst vor dem Versagen. Bei manchen ist es die kranke Katze, der Tagesjob, eine verlorene Liebe, die Steuererklärung, die ungewaschene Wäsche. Oder eben alles zusammen. (40 Grad im Schatten sind auch nicht gerade hilfreich.)

Welche Methoden schlägt die Gemeinde vor?
Gibst Du den Begriff „Writer’s Block“ in Google ein, werden Dir „ungefähr 3.580.000 Ergebnisse“ vorgeschlagen, unter „Schreibblockade“ immerhin noch „ungefähr 142.000 Ergebnisse“. Hier eine Liste der am häufigsten wiederholten Tipps, wie der Blockade beizukommen sei:

  • Schreibgerät wechseln
  • Schreibort wechseln
  • Feste oder andere Schreibzeit festlegen
  • Von Druck und Angst befreien
  • Geduld statt Panik
  • Erwartungen herunterschrauben
  • Inspiration bei anderen suchen
  • Meditieren oder Sport treiben
  • Musik hören
  • Etwas anderes Kreatives machen
  • Eine Reise unternehmen
  • Kaffee trinken
  • Dich selbst überraschen
  • Einen Buchladen besuchen
  • Sich ablenken
  • Ablenkungen ausschalten
  • Lesen und Recherchieren
  • Bilderbücher und Fotoalben ansehen
  • Thema wechseln
  • Dir selbst ungewöhnliche Schreibaufgaben stellen
  • Gliederung oder Mindmap erstellen
  • In der Mitte beginnen
  • Das Pferd von hinten auszäumen
  • Kleinen Häppchen schreiben
  • Unsinn schreiben und experimentieren
  • Fehler und Verwurf zulassen
  • Den inneren Kritiker abschalten
  • Ruhen lassen
  • Mit imaginärem Freund darüber sprechen
  • Frustration hinausfluchen
  • Den Abwasch machen
  • Das Auto waschen

Wie du siehst, widersprechen sich etliche der Tipps. Das liegt daran, dass die Methoden gegen die Schreibhemmung so individuell sind, wie die Gründe dafür. Du musst selbst austesten, was dir am Besten weiterhilft.

Möglicherweise geht es dir wie mir: Keiner der oben genannten Tipps stellte sich als zielführend heraus. Geduld, Geduld, Geduld hat letztlich geholfen. Nenn es „Aussitzen“, wenn du willst.

Genauso, wie die Blockade sich eingeschlichen hat, schlich sie auch wieder aus. Ich ahne, dass sie irgendwann zurückkommen wird, aber bis dahin will ich die Zeit nutzen.

Tatsächlich habe ich in den letzten Wochen viele Wörter und Sätze verloren.
Ideen und Themen, die mir durch den Kopf schwirrten, Anfänge, Enden und großartige Mittelpunkte, die vorbeischossen, konnte ich nicht einfangen oder festhalten, geschweige dann auf Papier bannen. Sie waren flüchtig wie Äther.

Das ist vorbei. Jetzt kann es weitergehen.

Kennst Du diesen Zustand? Schreib mir Deine Erfahrung mit der Schreibblockade.

Das ewige Hin und Her

Wohin-bitte

Spitzfindigkeit oder eine Frage der Perspektive?

Wohin, du rauschender Strom, wohin?
Hinunter, hinab die Bahn.
Will rasten, weil ich müde bin,
Im stillen Ozean.

aus: „Wohin“ von J.K.R. Sturm

Heute widme ich mich einem Thema, das mich gelegentlich die Palme hinauf treibt: Hinauf oder herauf, hinunter oder herunter?
Es mag dir wie eine Farce erscheinen, denn in der Umgangssprache sagt es jeder, wie er will. Sogar mit regionalen Eigenheiten und ohne Verständigungsprobleme.
Doch auf Papier sieht das anders aus. Die deutsche Sprache ist da, wieder einmal, sehr genau. Es ist tatsächlich eine Frage der Perspektive.

Ich möchte versuchen, diese Ortsbeziehungen mit ein paar Grafiken klarer zu machen.

Rauf oder runter?

Paula Fort ist unsere Perspektivfigur (PF). PF steht auf dem Mittelabsatz einer Treppe. Unten steht Ute (U), oben Olivia (O).

Beispiel 1:
PF bewegt sich in Richtung O. Sie geht die Treppe hinauf.
PF bewegt sich in Richtung U. Sie geht die Treppe hinunter.
Wieso?
Hin markiert die Richtung von der PF oder ihrem Ausgangspunkt weg.

B1

Umgekehrt in Beispiel 2:
O bewegt sich auf PF zu. Sie kommt die Treppe herunter.
U bewegt sich auf PF zu. Sie kommt die Treppe herauf.
Warum?
Her markiert die Richtung auf die PF zu.

B2

Ja aber halt mal, möchtest du sagen? Geht nicht O die Treppe hinab?
Nein, denn O ist nicht die Perspektivfigur. Von PFs Standpunkt aus kommt O herunter. Nämlich auf PF zu.
Würdest du allerdings O sprechen lassen, sagt sie zurecht: „Ich gehe die Treppe hinab.“ Denn O spricht aus ihrer Perspektive.

Übrigens:
Wer durcheinander kommt, kann die Treppe immer noch nach oben oder abwärts gehen 😉

Die gleiche Systematik gilt, wenn PF entweder O oder U einen Apfel zuwirft und die beiden den Apfel jeweils zu PF zurückwerfen. Fällt ein Apfel also vom Baum, dann fällt er hinab, wenn der Ausgangspunkt des Erzählers oben im Baum ist, aber er fällt herab, wenn der Erzähler unten steht. Klar, oder?
(Der Duden bezeichnet übrigens herab und herunter als synonym, ebenso hinab und hinunter. Nimm, was dir gefällt.)

Analog dazu verhalten sich die Lokaladverbien herein, hinein, heraus, hinaus und herüber, hinüber. Der Blickwinkel ist ausschlaggebend.

Rein oder raus?

Beispiel 3:
Andrea (A) steht vor Paula Forts (PF) Haus.
PF bittet A herein, als diese an der Tür klingelt.
PF begleitet A hinaus, als sie wieder geht.

B3

Beispiel 4:
Paula Fort (PF) möchte Inge (I) besuchen.
I kommt heraus, um PF zu begrüßen.
PF geht hinein, um mit I Kaffee zu trinken.

B4

Wenn PF eine Tasche packt, dann legt sie Dinge hinein, und holt andere Dinge heraus. Das gilt, solange PF deine Perspektivfigur ist. Schreibst du allerdings aus Sicht der Tasche, dann … na? Richtig, kehrt sich das Ganze um.

Rüber

Beispiel 5:
Paula Fort (PF) hat eine Nachbarin, Dörte (D). Sie wohnt drüben, auf der anderen Seite der Straße.
Wenn PF sie besucht, geht sie hinüber zu D.
Wenn D einen Gegenbesuch macht, kommt sie zu PF herüber.

B5

[Es gibt einen einfachen Hin-und-Her-Test: Strecke deinen Zeigefinger aus und wedle damit schnell zwischen dir und jemand/etwas anderem hin und her. In deinem Kopf sagst du dazu „hin“ und „her“. Intuitiv wirst du die Bewegung von dir weg als „hin“ bezeichnen und die auf dich zu als „her“. Andersherum fühlt es sich falsch an – du wirst es merken.]

So, alle Klarheiten beseitigt, oder? Ich werde nun meinen Elfenbeinturm hinabsteigen und hinausgehen, um frische Luft in meinen Kopf herein zu lassen 😉

Auffi und obi

Umgangssprache und regionale Eigenheiten lasse ich hier unerwähnt, weil sie die Schriftsprache nur wenig betreffen. Da ich aber in Bayern und mit Auffi und Obi aufgewachsen bin, hier noch ein kleiner Nachtrag:

Das Suffix „-i“ entsprich dem „hin“, das Suffix „-a“ dem „her“.

Demnach geht in Beispiel 1 PF auffi, wenn sie die Treppe zu O erklimmt und obi, wenn sie U besucht. Aber O kommt oba und U auffa, wenn sie mit PF Kaffee trinken wollen.

In dieser Systematik gibt es folgerichtig: auffi, obi, aussi, eini und auffa, oba, aussa, eina, sowie umi/uma für hinüber/herüber.

Also dann: Servus!

Bad Boys

Gegenspieler

Das personifizierte Böse

Für die Spannung in deiner Geschichte braucht der Held einen Opponenten, genauer gesagt: einen würdigen Gegenspieler. Kein Leser möchte einer Auseinandersetzung folgen, in der der Sieger von vorne herein feststeht, weil die Chancen offensichtlich ungleich verteilt sind.

[Kleiner Einschub: Natürlich muss der Gegner in deiner Geschichte keine Person sein. In meinem Blog über Konflikt bin ich darauf eingegangen, mit welchen Gegnern dein Held es zu tun bekommen kann. Hier geht es mir um interpersonelle Konflikte.]

Einige Archetypen für böse Buben werden immer wieder in den Ring geworfen:
Der durch und durch Böse, der zum Bösen Gezwungene, der sich im Recht Glaubende, der böse gewordene Held, der gut gewordene Böse, der dumme Böse. Mir erscheinen diese Klassifizierungen zu eindimensional, um einen interessanten Gegner zu erschaffen.

Was macht nun deinen Antagonisten zu einem würdigen Gegner?
Zum einen musst du dir bei der Figurenentwicklung genauso viel Mühe mit dem Schurken geben wie mit dem Helden – wenn nicht sogar noch mehr. Selbst wenn er in deiner Geschichte erst ganz am Ende in Erscheinung tritt, braucht er ein ausgefeiltes Profil, physisch, soziologisch und psychologisch.
Die verschiedenen Aspekte seiner Persönlichkeit bestimmen seine Handlungen, die Handlungen rufen Folgen hervor, die Folgen beeinflussen den Held und den Lauf der Geschichte – egal, ob der Schurke anwesend ist oder nicht. Handelt es sich um einen präsenten Gegner, sollte auch er einen erkennbaren Entwicklungsbogen mit Höhen und Tiefen durchlaufen. 

So wie der Held braucht auch der Gegenspieler eine Vorgeschichte. Das gilt letztlich für jedes Genre, aber nehmen wir beispielsweise einen Krimi: Die Geschichte steigt ein, als der Kommissar (Held) den Tatort eines Mordes betritt. Klar ist: der Mörder ist unser böser Bube (Schurke). Doch um den Mord aufklären zu können, muss der Held nicht nur den Indizien folgen – er muss verstehen, wie es zu der Tat gekommen ist, denn darin liegt der Schlüssel zur Lösung.
Dieser Schlüssel ist meist die Motivation des Schurken, das Warum der Tat. Um einen starken Gegner für deinen Helden zu schaffen, brauchst du eine überzeugende Motivation.

Was sind mögliche Motivationen für deinen Schurken?
Grundsätzlich lassen sie sich unter den „Großen Sieben“ subsumieren – Ruhm, Geld, Liebe, Rache, Macht, Hass, Angst. Biblisch gesprochen, die Sieben Todsünden:

  1. Hochmut, Stolz (Ruhm):
    die übertriebene Eingenommenheit von sich selbst und unrealistische Überschätzung des eigenen Werts, Ranges oder Fähigkeiten bis hin zur krankhaften Geltungssucht und Narzissmus

  2. Habgier, Geiz (Geld) :
    das übersteigerte Streben nach materiellem Besitz und der Zwang, diesen zu behalten und zu mehren

  3. Wollust, Begehren (Liebe):
    der ungezügelte Drang nach Befriedigung körperlicher, geistiger und emotionaler Bedürfnisse

  4. Zorn (Rache):
    die emotionale Erregung mit stark aggressiver Tendenz und dem übertriebenen Bedürfnis, ein (angeblich oder tatsächlich) erlittenes Unrecht nicht nur auszugleichen, sondern zu bestrafen

  5. Völlerei, Selbstsucht (Macht):
    das rücksichtslose Handeln, das uneingeschränkt zum persönlichen Vorteil dient, und die Maßlosigkeit auf Kosten anderer

  6. Neid, Missgunst (Hass):
    das Verübeln des materiellen oder immateriellen Besitzes oder Stellung anderer; ein Gefühl fehlender Anerkennung, gefolgt von Destruktivität, Verachtung und abgrundtiefer Ablehnung

  7. Faulheit, Feigheit (Angst):
    die Neigung, sein Handeln von Furcht (vor Beeinträchtigung, Schmerz, Gefahr) bestimmen zu lassen; der mangelnde Wille zur Veränderung/Aktivität und eine allgemeinen Tendenz zu schlechtem („fauligem“) Charakter

Mahatma Gandhi hat diese Todsünden für die moderne Welt neu definiert. Eine Liste unethischen Verhaltens, die sich ebenfalls hervorragend für die Charakterisierung deines Gegners eignet.

  1. Reichtum ohne Arbeit
  2. Genuss ohne Gewissen
  3. Wissen ohne Charakter
  4. Geschäft ohne Moral
  5. Wissenschaft ohne Menschlichkeit
  6. Religion ohne Opferbereitschaft
  7. Politik ohne Prinzipien

Darüber hinaus gibt es natürlich weitere Ansatzpunkte für die Entwicklung deines Schurkens. Aspekte, die in seiner Persönlichkeit und Psychologie verankert liegen wie u.a. erlebtes Trauma, Geisteskrankheit oder sein Weltbild – Soziopathen, Psychopathen und andere irre Verbrecher mal beiseite gelassen. Auf die psychologischen Archetypen nach C. G. Jung oder die 16 Persönlichkeitstypen nach Myer-Briggs (MBTI) möchte ich hier nicht eingehen. Schau es dir selbst einmal an. Es liegen großartige Möglichkeiten für Schurken darin verborgen.

Welche Motivation treibt deinen Schurken in den Kampf treiben?
Bedenke: das Profil und die Vorgeschichte spielen dabei eine tragende Rolle. Ebenso deine Entscheidung, wie du den Schurken in der Geschichte positionieren möchtest: Will der Schurke den Helden vom Erreichen seines Ziels abhalten oder will der Held die Missetaten des Schurken verhindern?

Abschließend ein Fundstück aus dem digitalen Universum, dem ich nur zustimmen kann: Auch Schurken sind Menschen, naja, wenigstens meistens. 😉

Academyofultimatevillainy
Gefunden bei gillianbronteadams.com

 

Einfach fantastisch

Gipfel

3 Geschichten in 3 Monaten bei 3 Verlagen

Neben der Auseinandersetzung mit den Regeln des Schreibens und den Arbeiten an meinen Buchprojekten lasse ich meine Fantasie auch gern in Kurzgeschichten von der Leine. Im Web findet man monatlich Ausschreibungen kleiner und kleinster Verlage, viele davon im breitgefächerten Genre der Fantastik. Hier und da finde ich etwas, was mich anspricht und sofort den Ideenfluss aktiviert. Dann schaltet mein Verstand auf Autopilot und ich tobe mich auf der Tastatur aus. 

Tatsächlich kann ich feststellen, dass sich die oben erwähnten Schreibregeln in meinem Unterbewusstsein festgesetzt haben. Nun gut, da ist noch viel zu lernen, zu intensivieren, zu üben und zu überarbeiten. De facto ist kein Ende in Sicht. Aber dennoch hat das häufige Schreiben zu meinen ersten kleinen Erfolgen geführt. Wie heißt es doch so schön: Dreimal kann kein Zufall sein. Ich freue mich riesig, dass im Herbst drei meiner Geschichten zu folgenden Ausschreibungen erscheinen:

„Das Herz der Tapferkeit“ bei p.machinery
„Bestiarium“ bei Sarturia
„Elfen und Feen“ im Sperling Verlag

Sobald die Anthologien veröffentlicht sind, werde ich das hier posten.
Und hey: vielleicht tritt dann auch die Dreier-Regeln in Kraft – One, Two, Three, Notice me 😉

Vorausgeschickt – die Prämisse

Praemisse

Ist das Werkzeug, oder kann das weg?

Über die Sinnhaftigkeit einer Prämisse wird und wurde viel diskutiert. Für mich ist sie der Kern der Geschichte, ganz ohne das Fleisch. Aus diesem Kern kannst du den Keim (deinen Plot) ziehen, ihn wachsen und wuchern lassen – immer bewusst, dass alles aus diesem einen Kern hervorgeht.

Die Prämisse (lat.: praemissa, die Vorausgeschickte) ist im Prinzip nichts anderes als die Essenz deiner Geschichte in einem einfachen Satz – wobei ich einfach hier auf die Struktur des Satzes (Subjekt – Prädikat – Objekt) beziehe, nicht auf das Formulieren der Prämisse. Das ist nämlich ganz schön schwierig und benötigt meist mehrere Anläufe. Ich sehe die Prämisse als ein Hilfsmittel, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Sie stellt eine Behauptung auf, wie deine Hauptfigur sich im Laufe der Handlung verwandeln wird. Diese Behauptung muss durch den Plot bewiesen werden. Für dich als Autor dient sie während des Schreibens (und des Überarbeitens) als Eichstrich. Ein Werkzeug, das dir hilft, dich auf das Wesentliche zu beschränken. Szenen, die dieses präzise formulierte Ziel nicht unterstützen, sind überflüssig – sprich: Rotstiftmaterial.

Wie sieht nun eine Prämisse aus?

Im Wesentlichen kann man den Satz eindampfen auf ein Schema:
„Dieses führt zu jenem.“

Lajos Egri fasst die Prämisse in eine Formel:
„Hauptfigur + Konflikt = Lösung“

Er meint damit: Nimm die wesentliche Charakterisierung deiner Hauptfigur, führe sie durch die Krise und lege fest, wie sie am Ende herauskommen soll.

Ein paar Beispiele:
–   „Beziehungskrise führt zu neuem Glück“
–  „Habgier führt zum Tod“
–  „Feigling zieht in den Kampf und wird ein Held“
–  „Geldgier führt im Börsencrash zu Empathie“
–  „Dieb flieht vor Polizei und findet Seelenheil“
–  „Verbotene Liebe führt zum Selbstmord“
–  „Große Macht führt zu großer Verantwortung“ (Schon mal gehört?)

Dabei triffst du keine Aussage über die Stimmung des Romans, oder das Genre. Die Prämisse ist eine rein inhaltliche Aussage.
„Vereitelter Diebstahl führt zu verdienter Belohnung“ kann die Behauptung für einen Krimi sein, aber auch für eine Liebesgeschichte oder sogar eine Komödie. Sie kann für die Hauptfigur ein Happy-End bedeuten, oder ein Drama mit Todesfolge. Die Geschichte kann als Fantasy oder Science Fiction genauso wie als Historienroman angelegt sein.

Wichtig dabei:
„Jeder Charakter muss davon überzeugt sein, dass die Handlung, die ihm von der Prämisse diktiert wird, die einzig mögliche ist.“ (Lajos Egri)

Offen bleibt, ob am Ende deines Romans die aufgestellte Behauptung bewiesen werden kann, oder du dich für ein anderes Ende entscheidest.

Achtung
Oftmals werden Prämisse und Thema der Geschichte gleichgesetzt. Doch die beiden unterscheiden sich grundlegend. Die Prämisse beschreibt den Entwicklungsbogen deiner Hauptfigur, z. B. „Sozialneid führt zu Neuorientierung“. Das Thema beschreibt, worum es dir im Großen und Ganzen in deiner Geschichte geht, z. B. „Soziale Ungerechtigkeit“. (Auf das Thema werde ich in einem späteren Beitrag eingehen.)

Hilfreich
Steckst du in deinem Plot fest, oder bist du dir nicht sicher, ob die Ideen in die richtige Richtung laufen? Dann stelle dir zwischen durch immer mal wieder die Frage: Was war noch gleich die Prämisse? Überprüfe das Handeln deiner Hauptfigur im Verhältnis zur Prämisse: Arbeitet sie noch auf das Ziel hin?

Pull that trigger!

Trigger

Der Startschuss für deine Geschichte

fällt mit dem auslösenden Ereignis. In den meisten Plot-Modellen wird dieser Punkt der Geschichte „Inciting Incident“ genannt. Auch folgende Begriffe werden dafür verwendet: Auslöser, Katalysator, Anstoß, oder Inciting Moment, Catalyst, Call-to-Adventure.

Sie alle bezeichnen den Moment in deiner Geschichte, in dem dem Protagonisten etwas widerfährt, das seine normale Welt aus den Angeln hebt. Das Davor ist „Hintergrund“, das Danach ist die eigentliche Geschichte.

Zu Beginn scheint alles im Gleichgewicht für den Helden (egal, wie gut oder schlecht die Umstände auch sein mögen, es ist seine gewohnte Welt). Nach dem auslösenden Ereignis steht er plötzlich vor einem Problem, das gelöst werden muss. Und der Antagonist ist bestrebt, ihn davon abzuhalten.

Wie groß oder klein der Auslöser ist, spielt keine Rolle. Er kann oberflächlich banal erscheinen, doch die Wirkung auf den Helden ist entscheidend. Es kann ein einfacher Brief oder ein Telefonat sein, ein physischer Zusammenstoß, oder ein weltbewegendes Ereignis. Wichtig ist, dass es dem Helden viel bedeutet. Sehr viel.
Der Auslöser ist der erste Schlüsselpunkt.

3-Akt-Modell

Wo
Der Auslöser muss im ersten Akt stattfinden, meist ist er in der Mitte angesiedelt, also bei etwa 12-13% des Manuskripts. Es gibt allerdings davon abweichende Modelle, auf die ich unten zurückkommen werde.

Wie
Der Held ist passiv, der Vorfall passiert ihm. Shit happens!

Wann
Je früher, desto besser – aber nach dem Set-Up. Nachdem wir also einen kleinen Einblick in die „normale Welt“ des Helden bekommen haben, wird er mit einer Krise konfrontiert, die dieses alte Leben massiv destabilisiert. Er wird gezwungen, sich damit auseinander zu setzen, und so kommt die Story in Gang. Das Interesse des Publikums wird damit angeheizt.

Was
Der Auslöser kreiert ein Ungleichgewicht in der normalen Welt des Helden. Mit diesem Vorfall, der den Helden aus seiner normalen Welt reißt, beginnt das Problem der Geschichte. Der Held wird in Alarmbereitschaft versetzt. Es ist der Startschuss für die folgenden Ereignisse, für die Story. Unternimmt der Held nichts, wird er von den Konsequenzen des Vorfalls regiert (und die Geschichte wäre hier praktisch schon zu Ende). Wird er aktiv, muss er zwar auch mit den Konsequenzen leben, hat aber selbst Einfluss auf das Ergebnis.

Der Held macht sich ein Bild seiner Situation und diese Überlegungen führen ihn schließlich am Ende von Akt 1 (also der 1. Schwelle, oder Plot Point 1) zu einer Entscheidung: Will er das Abenteuer angehen, oder kneift er?

Welche
Für die verschiedenen Genres gibt es ungeschriebene Regeln, wie der Auslöser auszusehen hat: In Romanzen treffen dort der Held und seine Zukünftige zum ersten Mal aufeinander, in Komödien passiert eine Versehen, in einem Krimi taucht die Leiche auf, in einem Thriller erfahren wir von der schwebenden Gefahr, in einem Drama stirbt (meistens) jemand. Das sind natürlich nur weiche Vorgaben. Wenn du anderes mit deiner Story im Sinn hast – feel free!

Wieviele
Hier möchte ich auf die verschiedenen Plot-Modelle zurückkommen. Manche siedeln den Auslöser direkt in den ersten paar Zeilen an, andere auf der ersten Seite oder den ersten zehn Seiten. Es gibt sogar eine Variante, die den Auslöser schon weit vor Beginn der Geschichte sieht, quasi im Off und für das Publikum nur durch Rückblenden zu erfahren. Die Geschichte selbst beginnt dann direkt mit den Auswirkungen.

Darüber hinaus entwickelte Syd Field das Konzept der zwei Inciting Incidents im ersten Akt. Er unterteilt es in einen „First Incident“, der die Geschichte eröffnet und ins Rollen bringt, und einen „Key Incident“, der dem Publikum zeigt, um was es in der Geschichte geht, und der den Helden unwiederbringlich hineinzieht.

Hilfreich
Wenn du den Eindruck hast, deine Story beginnt zu langsam, dann schau dir noch einmal den Auslöser an. Sitzt er an der richtigen Stelle? Trifft er den Protagonisten, und zwar hart genug?

Drama, Baby, Drama…

Konflikt

Keine Geschichte ohne Konflikt.

Das bekommt man bereits im allerersten Schreibseminar eingebläut. Ist ja irgendwie auch logisch. Wen interessiert es, ob zwei Menschen sich treffen und gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten? Spannend wird es, wenn sie sich treffen wollen, aber nicht zusammenkommen können, weil jemand oder etwas es verhindert. Dann müssen sie erst diese Hindernisse überwinden, um schlussendlich besagten Sonnenuntergang genießen zu können. Diese Hindernisse können auf ganz verschiedenen Ebenen liegen:

Äußerer Konflikt

Global (Protagonist vs. World)
Hier treffen Welten aufeinander. Der Protagonist nimmt den Kampf gegen ein übermächtiges System auf. Das können Naturgewalten, Planeten, Götter sein, aber auch Ideologien, Ethik oder soziale und politische Systeminteressen.

Situativ (Protagonist vs. Fate)
Der Hauptfigur kämpft gegen scheinbar unüberwindbare Gegebenheiten: eine Zeitbombe, Krankheit, Zufall, Brand, Zugunglück, oder andere, nicht beeinflussbare Elemente – kurz gesagt: gegen das Schicksal.

Interpersonell (Protagonist vs. Person)
Der personifizierte Antagonist: bei zwischenmenschlichen Konflikten hat die Hauptfigur eine oder mehrere Personen als Gegenspieler – beispielsweise Ehepartner, Mörder, Business- oder Sport-Konkurrenz, untreuer Liebhaber, böser Zauberer, Vampire.

Innerer Konflikt

Intrapersonal (Protagonist vs. Selbst)
Hier trifft die Hauptfigur auf sich selbst. Sie muss den inneren Schweinehund bekämpfen (Faulheit, Esssucht, Lethargie, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit) oder sich seinen psychischen Probleme stellen (Einsamkeit, Liebeskummer, Depression, Borderline, Schizophrenie). Oft stehen sich hierbei Verstand und Gefühl gegenüber.

Man muss sich nicht zwischen den Konfliktebenen entscheiden. Je mehr, desto vielschichtiger die Story. Auf Basis der Figurengestaltung überlagern oder mischen sich die Konflikte automatisch. In den verschiedenen Genres liegt der Schwerpunkt einmal mehr im äußeren, ein anderes Mal mehr im inneren Konflikt. Das Was und Wieso ist dabei eng verbunden, denn der äußere Konflikt allein wirkt schnell flach, wenn kein inneres Engagement den Helden vorantreibt. Wichtig ist vor allem eine gewisse Signifikanz des Konfliktes – sowohl für den Helden als auch für das Publikum.

Für einen starken Konflikt sollte der Gegenspieler dem Helden mit vergleichbaren, ebenbürtigen Fähigkeiten entgegentreten. Es ist letztlich ein Tauziehen zwischen Protagonist und Antagonist, bei dem das Publikum mitfiebert. Und es wäre schwer enttäuscht, wenn der Sieger von vorne herein feststünde.

Sei also nicht zaghaft: lass den Gegner ordentlich draufhauen, reiß den armen Helden in Stücke, lass ihn leiden, bürde ihm mehr auf, als er aushalten kann – und führe ihn am Ende siegreich aus dem Kampf heraus. Das Publikum wird ihn lieben.

Wie lässt du deinen Helden leiden? Wer steht sich in deiner Geschichte gegenüber? Hinterlasse mir einen Kommentar.

You’re the one that I want…

Want-Need

Über das WANT und NEED deiner Hauptfigur

Jeder wünscht sich irgendetwas. Mal sind es kleine, mal große Dinge. Manche Wünsche sind materiell, andere ideell. Für unsere Protagonisten, unsere Helden gilt das genauso. Doch sie wollen es mehr als alle anderen. Das ist es, was die Geschichten antreibt. Dabei unterscheiden wir zwischen Wünschen und Bedürfnissen.

WANT – der Wunsch, das Ziel
Die Hauptfigur wünscht sich etwas und dieser Wunsch setzt die Handlung in Gang. Das WANT ist konkret, sichtbar, oft materiell und für den Helden das Wichtigste auf der Welt (ein Partner, ein Sieg, eine Kreuzfahrt, ein neues Paar Schuhe, ein Hund, Gold, ein magisches Amulett). Es ist der Grund dafür, dass wir die Geschichte erzählen. Der Held jagt diesem WANT nach und wird es (scheinbar) auf dem Höhepunkt erreichen. In manchen Geschichten verändert sich der Wunsch entlang der Entwicklung der Figur und des Spannungsbogens der Geschichte, in anderen bleibt er ein Fixpunkt.

Ein Beispiel: Sagen wir mal, Jakobs Wunsch ist es, im Casino eine Menge, eine richtig große Menge Geld zu gewinnen. Im Verlauf der Geschichte stellt er fest: Klappt nicht, weder mit Glück, noch mit Betrug! Dann ändert sich sein WANT. Jetzt ist es sein dringendster Wunsch, das Casino auszurauben.

NEED – das Bedürfnis, ein Defizit
Das NEED ist die innere Motivation des Helden, der Motor für das Erreichen des Wunsches. Es ist ein immaterieller Mangel, an Liebe, Würde, Freiheit, Beachtung, etc., und der Grund, warum der Held sein WANT verfolgt, auch wenn ihm das nicht unbedingt bewusst ist. Dieses Bedürfnis prägt die Figur und leitet im Unterbewusstsein sein Handeln an. Das NEED generiert sich oft aus der Vorgeschichte des Helden.

In unserem Beispiel wäre Jakobs NEED Wohlstand. Unser Jakob stammt aus ärmlichen Verhältnissen, musste zeitweise seine Mahlzeiten aus dem Müll klauben und Klamotten aus den Altkleidercontainern stehlen. Nichts (kein Job, keine Unternehmung, keine Idee), was er jemals angefangen hat, führte zum Erfolg. Er ist immer noch arm und verzweifelt.

Zwischen dem WANT und NEED liegt ein Spannungsfeld.
Das WANT bringt die Geschichte ins Rollen, treibt sie vorwärts, doch nicht selten kommt ihr dabei das NEED in die Quere und der Held muss hart an sich und den Umständen arbeiten, um eine Lösung zu erreichen. (Übrigens: je härter er arbeitet, desto empathischer wird das Publikum.)

Der Midpoint bietet sich an, den Helden zu dieser Erkenntnis gelangen zu lassen. Sieht er erst einmal ein, dass er sein WANT opfern muss, um sein NEED zu befriedigen, wird er letztendlich die Herausforderungen meistern. Er verliert etwas, um etwas Wichtigeres zu gewinnen.

Natürlich gibt es dazu Varianten. Dem Held kann auch klar werden, dass er erst sein NEED befriedigen muss, um stark genug zu sein, sein WANT zu erreichen. Im Finale bekommt er schließlich Wunsch und Bedürfnis glanzvoll erfüllt.

Erweitert wird dieses Spannungsfeld durch das Einwirken des Antagonisten. Auch er verfolgt ein WANT auf Grund eines NEEDs. Die Kollision von Wünschen und Bedürfnissen wirft reihenweise Konflikte auf, die die Geschichte spannend machen.

In unserem Beispiel haben Held und Gegenspieler das gleiche NEED: Petes NEED ist ebenfalls Wohlstand. Jakob und Pete sind im gleichen Milieu aufgewachsen, haben die gleiche Armut, das gleiche Elend durchlebt. Doch Pete hatte in seiner weiteren Laufbahn Glück gehabt. Ihm gehört jetzt das Casino, das Jakob ausrauben will.

Das Konfliktpotenzial, das im WANT und NEED steckt, ist bunt und weit gefächert, wie die Charaktere selbst.

Welche Wünsche und Bedürfnisse haben deine Figuren?
Welche Ziele verfolgen sie?
Wer hindert sie daran, und warum?
Hinterlasse mir einen Kommentar.

Ein Aphorismus zum Schluss: Was du dir wünschst, ist meist nicht das, was du brauchst.