Textquälerei

Lorem ipsus dolor sit – ist überall zu finden. Als ich diesen Blog einrichtete, waren alle Felder mit diesem Platzhalter gefüllt. Einen Augenblick lang war ich versucht, ihn einfach stehen zu lassen. Es sah gut aus, passte sich prima ein ins Layout. Doch es liegt kein Sinn in dieser Ansammlung von Worten. Was im Gewand lateinischer Prosa daher kommt, ist die verkrüppelte Version eines Cicero-Textes. Das arme Ding hat Folter und Verstümmelung erlitten, wurde buchstäblich an Kopf und Hals amputiert, bis nur noch Lorem ipsum blieb. Die Lateiner unter uns erkennen darin einen Fall von tiefem Schmerz.

„Neque porro quisquam est, qui dolorem ipsum, quia dolor sit, amet, consectetur, adipisci velit[…].“

„Ferner gibt es auch niemanden, der den Schmerz um seiner selbst willen liebt, der ihn sucht und haben will, einfach, weil es Schmerz ist […].“

aus Ciceros „De finibus bonorum et malorum“

Ja, dieser Schmerz. Leise schleicht er sich heran, hangelt sich am Sehnerv hinauf in deinen Geist. Beißt mit nadelspitzen Zähnen fransige Löcher in deine Ideen. Schlingt, reißt, frisst, berserkt sich durch die Gehirnwindungen, bis nur noch weißes Rauschen bleibt.
Ausgelöst von unschuldiger Reinheit: dem weißen Blatt. Du starrst es an, es starrt zurück – und Eloquentia verlässt den Raum.

An dieser Stelle kommt Lorem ipsum noch einmal ins Spiel. Mir hat es oft schon geholfen, einen Absatz dieses weltbekannten Blindtextes auf mein leeres Blatt zu stellen. Das nimmt die erste Hürde. Dann lasse ich meine Gedanken über die sinnlosen Wortgruppen tanzen und entdecke plötzlich – zwischen den Buchstaben – den Pfad zurück zu meinem Thema.

Weitere hilfreiche Tipps gegen das „Blank-Page-Syndrom“ habe ich hier zusammengetragen:

  • Schreibe rückwärts
  • Beginne deinen Text in der Mitte
  • Rolle das Thema von hinten auf
  • Beschreibe dein Thema in einem Wort
  • Suche nach einem zum Thema passenden Zitat, Song oder Kunstobjekt
  • Notiere das Grundgerüst und fülle dann die Lücken
  • Setze dir kleine Ziele
  • Mache eine Liste
  • Beginne mit einem simplen Satz (Subjekt – Prädikat – Objekt) und
    baue ihn mit Nebensätzen aus
  • Brainstorme oder entwickle ein Cluster
  • Erzähle die Geschichte jemandem, der nichts davon kennt
  • Schreibe darüber, dass dir nichts einfällt
  • Wechsle das Schreibgerät
  • Wechsle den Schreibort
  • Schalte das Internet und andere Ablenkungen aus
  • Zeichne Strichmännchen, die dein Thema bebildern
  • Koche Kaffee, Tee, Suppe oder ein 3-Gänge-Menü
  • Lies ein Buch oder höre Musik
  • Schau aus dem Fenster und tagträume
  • Mach einen Spaziergang oder jogge
  • Gehe shoppen

Die Methoden wirken individuell unterschiedlich. Vielleicht arbeitest du besser unter Druck. Da mag es hilfreich sein, dir ein Zeitlimit zu setzen – am Besten mit einem schrillen Weckerklingeln am Ende. Oder dir Restriktionen aufzuerlegen, wie etwa: kein Mittagessen, bevor der erste Absatz steht. Oder wie wäre es mit einem ausgeklügelten Belohnungssystem?

Finde heraus, was für dich funktioniert, und schreib mir deine Tricks gegen Schreibblockaden im Kommentar.

Warum ich dieses Thema als ersten Beitrag für meinen Blog gewählt habe? Das ist nun wirklich eine rein rhetorische Frage.