You’re the one that I want…

Über das WANT und NEED deiner Hauptfigur

Jeder wünscht sich irgendetwas. Mal sind es kleine, mal große Dinge. Manche Wünsche sind materiell, andere ideell. Für unsere Protagonisten, unsere Helden gilt das genauso. Doch sie wollen es mehr als alle anderen. Das ist es, was die Geschichten antreibt. Dabei unterscheiden wir zwischen Wünschen und Bedürfnissen.

WANT – der Wunsch, das Ziel
Die Hauptfigur wünscht sich etwas und dieser Wunsch setzt die Handlung in Gang. Das WANT ist konkret, sichtbar, oft materiell und für den Helden das Wichtigste auf der Welt (ein Partner, ein Sieg, eine Kreuzfahrt, ein neues Paar Schuhe, ein Hund, Gold, ein magisches Amulett). Es ist der Grund dafür, dass wir die Geschichte erzählen. Der Held jagt diesem WANT nach und wird es (scheinbar) auf dem Höhepunkt erreichen. In manchen Geschichten verändert sich der Wunsch entlang der Entwicklung der Figur und des Spannungsbogens der Geschichte, in anderen bleibt er ein Fixpunkt.

Ein Beispiel: Sagen wir mal, Jakobs Wunsch ist es, im Casino eine Menge, eine richtig große Menge Geld zu gewinnen. Im Verlauf der Geschichte stellt er fest: Klappt nicht, weder mit Glück, noch mit Betrug! Dann ändert sich sein WANT. Jetzt ist es sein dringendster Wunsch, das Casino auszurauben.

NEED – das Bedürfnis, ein Defizit
Das NEED ist die innere Motivation des Helden, der Motor für das Erreichen des Wunsches. Es ist ein immaterieller Mangel, an Liebe, Würde, Freiheit, Beachtung, etc., und der Grund, warum der Held sein WANT verfolgt, auch wenn ihm das nicht unbedingt bewusst ist. Dieses Bedürfnis prägt die Figur und leitet im Unterbewusstsein sein Handeln an. Das NEED generiert sich oft aus der Vorgeschichte des Helden.

In unserem Beispiel wäre Jakobs NEED Wohlstand. Unser Jakob stammt aus ärmlichen Verhältnissen, musste zeitweise seine Mahlzeiten aus dem Müll klauben und Klamotten aus den Altkleidercontainern stehlen. Nichts (kein Job, keine Unternehmung, keine Idee), was er jemals angefangen hat, führte zum Erfolg. Er ist immer noch arm und verzweifelt.

Zwischen dem WANT und NEED liegt ein Spannungsfeld.
Das WANT bringt die Geschichte ins Rollen, treibt sie vorwärts, doch nicht selten kommt ihr dabei das NEED in die Quere und der Held muss hart an sich und den Umständen arbeiten, um eine Lösung zu erreichen. (Übrigens: je härter er arbeitet, desto empathischer wird das Publikum.)

Der Midpoint bietet sich an, den Helden zu dieser Erkenntnis gelangen zu lassen. Sieht er erst einmal ein, dass er sein WANT opfern muss, um sein NEED zu befriedigen, wird er letztendlich die Herausforderungen meistern. Er verliert etwas, um etwas Wichtigeres zu gewinnen.

Natürlich gibt es dazu Varianten. Dem Held kann auch klar werden, dass er erst sein NEED befriedigen muss, um stark genug zu sein, sein WANT zu erreichen. Im Finale bekommt er schließlich Wunsch und Bedürfnis glanzvoll erfüllt.

Erweitert wird dieses Spannungsfeld durch das Einwirken des Antagonisten. Auch er verfolgt ein WANT auf Grund eines NEEDs. Die Kollision von Wünschen und Bedürfnissen wirft reihenweise Konflikte auf, die die Geschichte spannend machen.

In unserem Beispiel haben Held und Gegenspieler das gleiche NEED: Petes NEED ist ebenfalls Wohlstand. Jakob und Pete sind im gleichen Milieu aufgewachsen, haben die gleiche Armut, das gleiche Elend durchlebt. Doch Pete hatte in seiner weiteren Laufbahn Glück gehabt. Ihm gehört jetzt das Casino, das Jakob ausrauben will.

Das Konfliktpotenzial, das im WANT und NEED steckt, ist bunt und weit gefächert, wie die Charaktere selbst.

Welche Wünsche und Bedürfnisse haben deine Figuren?
Welche Ziele verfolgen sie?
Wer hindert sie daran, und warum?
Hinterlasse mir einen Kommentar.

Ein Aphorismus zum Schluss: Was du dir wünschst, ist meist nicht das, was du brauchst.