Pull that trigger!

Der Startschuss für deine Geschichte

fällt mit dem auslösenden Ereignis. In den meisten Plot-Modellen wird dieser Punkt der Geschichte „Inciting Incident“ genannt. Auch folgende Begriffe werden dafür verwendet: Auslöser, Katalysator, Anstoß, oder Inciting Moment, Catalyst, Call-to-Adventure.

Sie alle bezeichnen den Moment in deiner Geschichte, in dem dem Protagonisten etwas widerfährt, das seine normale Welt aus den Angeln hebt. Das Davor ist „Hintergrund“, das Danach ist die eigentliche Geschichte.

Zu Beginn scheint alles im Gleichgewicht für den Helden (egal, wie gut oder schlecht die Umstände auch sein mögen, es ist seine gewohnte Welt). Nach dem auslösenden Ereignis steht er plötzlich vor einem Problem, das gelöst werden muss. Und der Antagonist ist bestrebt, ihn davon abzuhalten.

Wie groß oder klein der Auslöser ist, spielt keine Rolle. Er kann oberflächlich banal erscheinen, doch die Wirkung auf den Helden ist entscheidend. Es kann ein einfacher Brief oder ein Telefonat sein, ein physischer Zusammenstoß, oder ein weltbewegendes Ereignis. Wichtig ist, dass es dem Helden viel bedeutet. Sehr viel.
Der Auslöser ist der erste Schlüsselpunkt.

3-Akt-Modell

Wo
Der Auslöser muss im ersten Akt stattfinden, meist ist er in der Mitte angesiedelt, also bei etwa 12-13% des Manuskripts. Es gibt allerdings davon abweichende Modelle, auf die ich unten zurückkommen werde.

Wie
Der Held ist passiv, der Vorfall passiert ihm. Shit happens!

Wann
Je früher, desto besser – aber nach dem Set-Up. Nachdem wir also einen kleinen Einblick in die „normale Welt“ des Helden bekommen haben, wird er mit einer Krise konfrontiert, die dieses alte Leben massiv destabilisiert. Er wird gezwungen, sich damit auseinander zu setzen, und so kommt die Story in Gang. Das Interesse des Publikums wird damit angeheizt.

Was
Der Auslöser kreiert ein Ungleichgewicht in der normalen Welt des Helden. Mit diesem Vorfall, der den Helden aus seiner normalen Welt reißt, beginnt das Problem der Geschichte. Der Held wird in Alarmbereitschaft versetzt. Es ist der Startschuss für die folgenden Ereignisse, für die Story. Unternimmt der Held nichts, wird er von den Konsequenzen des Vorfalls regiert (und die Geschichte wäre hier praktisch schon zu Ende). Wird er aktiv, muss er zwar auch mit den Konsequenzen leben, hat aber selbst Einfluss auf das Ergebnis.

Der Held macht sich ein Bild seiner Situation und diese Überlegungen führen ihn schließlich am Ende von Akt 1 (also der 1. Schwelle, oder Plot Point 1) zu einer Entscheidung: Will er das Abenteuer angehen, oder kneift er?

Welche
Für die verschiedenen Genres gibt es ungeschriebene Regeln, wie der Auslöser auszusehen hat: In Romanzen treffen dort der Held und seine Zukünftige zum ersten Mal aufeinander, in Komödien passiert eine Versehen, in einem Krimi taucht die Leiche auf, in einem Thriller erfahren wir von der schwebenden Gefahr, in einem Drama stirbt (meistens) jemand. Das sind natürlich nur weiche Vorgaben. Wenn du anderes mit deiner Story im Sinn hast – feel free!

Wieviele
Hier möchte ich auf die verschiedenen Plot-Modelle zurückkommen. Manche siedeln den Auslöser direkt in den ersten paar Zeilen an, andere auf der ersten Seite oder den ersten zehn Seiten. Es gibt sogar eine Variante, die den Auslöser schon weit vor Beginn der Geschichte sieht, quasi im Off und für das Publikum nur durch Rückblenden zu erfahren. Die Geschichte selbst beginnt dann direkt mit den Auswirkungen.

Darüber hinaus entwickelte Syd Field das Konzept der zwei Inciting Incidents im ersten Akt. Er unterteilt es in einen „First Incident“, der die Geschichte eröffnet und ins Rollen bringt, und einen „Key Incident“, der dem Publikum zeigt, um was es in der Geschichte geht, und der den Helden unwiederbringlich hineinzieht.

Hilfreich
Wenn du den Eindruck hast, deine Story beginnt zu langsam, dann schau dir noch einmal den Auslöser an. Sitzt er an der richtigen Stelle? Trifft er den Protagonisten, und zwar hart genug?