Vorausgeschickt – die Prämisse

Ist das Werkzeug, oder kann das weg?

Über die Sinnhaftigkeit einer Prämisse wird und wurde viel diskutiert. Für mich ist sie der Kern der Geschichte, ganz ohne das Fleisch. Aus diesem Kern kannst du den Keim (deinen Plot) ziehen, ihn wachsen und wuchern lassen – immer bewusst, dass alles aus diesem einen Kern hervorgeht.

Die Prämisse (lat.: praemissa, die Vorausgeschickte) ist im Prinzip nichts anderes als die Essenz deiner Geschichte in einem einfachen Satz – wobei ich einfach hier auf die Struktur des Satzes (Subjekt – Prädikat – Objekt) beziehe, nicht auf das Formulieren der Prämisse. Das ist nämlich ganz schön schwierig und benötigt meist mehrere Anläufe. Ich sehe die Prämisse als ein Hilfsmittel, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Sie stellt eine Behauptung auf, wie deine Hauptfigur sich im Laufe der Handlung verwandeln wird. Diese Behauptung muss durch den Plot bewiesen werden. Für dich als Autor dient sie während des Schreibens (und des Überarbeitens) als Eichstrich. Ein Werkzeug, das dir hilft, dich auf das Wesentliche zu beschränken. Szenen, die dieses präzise formulierte Ziel nicht unterstützen, sind überflüssig – sprich: Rotstiftmaterial.

Wie sieht nun eine Prämisse aus?

Im Wesentlichen kann man den Satz eindampfen auf ein Schema:
„Dieses führt zu jenem.“

Lajos Egri fasst die Prämisse in eine Formel:
„Hauptfigur + Konflikt = Lösung“

Er meint damit: Nimm die wesentliche Charakterisierung deiner Hauptfigur, führe sie durch die Krise und lege fest, wie sie am Ende herauskommen soll.

Ein paar Beispiele:
–   „Beziehungskrise führt zu neuem Glück“
–  „Habgier führt zum Tod“
–  „Feigling zieht in den Kampf und wird ein Held“
–  „Geldgier führt im Börsencrash zu Empathie“
–  „Dieb flieht vor Polizei und findet Seelenheil“
–  „Verbotene Liebe führt zum Selbstmord“
–  „Große Macht führt zu großer Verantwortung“ (Schon mal gehört?)

Dabei triffst du keine Aussage über die Stimmung des Romans, oder das Genre. Die Prämisse ist eine rein inhaltliche Aussage.
„Vereitelter Diebstahl führt zu verdienter Belohnung“ kann die Behauptung für einen Krimi sein, aber auch für eine Liebesgeschichte oder sogar eine Komödie. Sie kann für die Hauptfigur ein Happy-End bedeuten, oder ein Drama mit Todesfolge. Die Geschichte kann als Fantasy oder Science Fiction genauso wie als Historienroman angelegt sein.

Wichtig dabei:
„Jeder Charakter muss davon überzeugt sein, dass die Handlung, die ihm von der Prämisse diktiert wird, die einzig mögliche ist.“ (Lajos Egri)

Offen bleibt, ob am Ende deines Romans die aufgestellte Behauptung bewiesen werden kann, oder du dich für ein anderes Ende entscheidest.

Achtung
Oftmals werden Prämisse und Thema der Geschichte gleichgesetzt. Doch die beiden unterscheiden sich grundlegend. Die Prämisse beschreibt den Entwicklungsbogen deiner Hauptfigur, z. B. „Sozialneid führt zu Neuorientierung“. Das Thema beschreibt, worum es dir im Großen und Ganzen in deiner Geschichte geht, z. B. „Soziale Ungerechtigkeit“. (Auf das Thema werde ich in einem späteren Beitrag eingehen.)

Hilfreich
Steckst du in deinem Plot fest, oder bist du dir nicht sicher, ob die Ideen in die richtige Richtung laufen? Dann stelle dir zwischen durch immer mal wieder die Frage: Was war noch gleich die Prämisse? Überprüfe das Handeln deiner Hauptfigur im Verhältnis zur Prämisse: Arbeitet sie noch auf das Ziel hin?

Ein Gedanke zu “Vorausgeschickt – die Prämisse

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