Bad Boys

Das personifizierte Böse

Für die Spannung in deiner Geschichte braucht der Held einen Opponenten, genauer gesagt: einen würdigen Gegenspieler. Kein Leser möchte einer Auseinandersetzung folgen, in der der Sieger von vorne herein feststeht, weil die Chancen offensichtlich ungleich verteilt sind.

[Kleiner Einschub: Natürlich muss der Gegner in deiner Geschichte keine Person sein. In meinem Blog über Konflikt bin ich darauf eingegangen, mit welchen Gegnern dein Held es zu tun bekommen kann. Hier geht es mir um interpersonelle Konflikte.]

Einige Archetypen für böse Buben werden immer wieder in den Ring geworfen:
Der durch und durch Böse, der zum Bösen Gezwungene, der sich im Recht Glaubende, der böse gewordene Held, der gut gewordene Böse, der dumme Böse. Mir erscheinen diese Klassifizierungen zu eindimensional, um einen interessanten Gegner zu erschaffen.

Was macht nun deinen Antagonisten zu einem würdigen Gegner?
Zum einen musst du dir bei der Figurenentwicklung genauso viel Mühe mit dem Schurken geben wie mit dem Helden – wenn nicht sogar noch mehr. Selbst wenn er in deiner Geschichte erst ganz am Ende in Erscheinung tritt, braucht er ein ausgefeiltes Profil, physisch, soziologisch und psychologisch.
Die verschiedenen Aspekte seiner Persönlichkeit bestimmen seine Handlungen, die Handlungen rufen Folgen hervor, die Folgen beeinflussen den Held und den Lauf der Geschichte – egal, ob der Schurke anwesend ist oder nicht. Handelt es sich um einen präsenten Gegner, sollte auch er einen erkennbaren Entwicklungsbogen mit Höhen und Tiefen durchlaufen. 

So wie der Held braucht auch der Gegenspieler eine Vorgeschichte. Das gilt letztlich für jedes Genre, aber nehmen wir beispielsweise einen Krimi: Die Geschichte steigt ein, als der Kommissar (Held) den Tatort eines Mordes betritt. Klar ist: der Mörder ist unser böser Bube (Schurke). Doch um den Mord aufklären zu können, muss der Held nicht nur den Indizien folgen – er muss verstehen, wie es zu der Tat gekommen ist, denn darin liegt der Schlüssel zur Lösung.
Dieser Schlüssel ist meist die Motivation des Schurken, das Warum der Tat. Um einen starken Gegner für deinen Helden zu schaffen, brauchst du eine überzeugende Motivation.

Was sind mögliche Motivationen für deinen Schurken?
Grundsätzlich lassen sie sich unter den „Großen Sieben“ subsumieren – Ruhm, Geld, Liebe, Rache, Macht, Hass, Angst. Biblisch gesprochen, die Sieben Todsünden:

  1. Hochmut, Stolz (Ruhm):
    die übertriebene Eingenommenheit von sich selbst und unrealistische Überschätzung des eigenen Werts, Ranges oder Fähigkeiten bis hin zur krankhaften Geltungssucht und Narzissmus
  2. Habgier, Geiz (Geld) :
    das übersteigerte Streben nach materiellem Besitz und der Zwang, diesen zu behalten und zu mehren
  3. Wollust, Begehren (Liebe):
    der ungezügelte Drang nach Befriedigung körperlicher, geistiger und emotionaler Bedürfnisse
  4. Zorn (Rache):
    die emotionale Erregung mit stark aggressiver Tendenz und dem übertriebenen Bedürfnis, ein (angeblich oder tatsächlich) erlittenes Unrecht nicht nur auszugleichen, sondern zu bestrafen
  5. Völlerei, Selbstsucht (Macht):
    das rücksichtslose Handeln, das uneingeschränkt zum persönlichen Vorteil dient, und die Maßlosigkeit auf Kosten anderer
  6. Neid, Missgunst (Hass):
    das Verübeln des materiellen oder immateriellen Besitzes oder Stellung anderer; ein Gefühl fehlender Anerkennung, gefolgt von Destruktivität, Verachtung und abgrundtiefer Ablehnung
  7. Faulheit, Feigheit (Angst):
    die Neigung, sein Handeln von Furcht (vor Beeinträchtigung, Schmerz, Gefahr) bestimmen zu lassen; der mangelnde Wille zur Veränderung/Aktivität und eine allgemeinen Tendenz zu schlechtem („fauligem“) Charakter

Mahatma Gandhi hat diese Todsünden für die moderne Welt neu definiert. Eine Liste unethischen Verhaltens, die sich ebenfalls hervorragend für die Charakterisierung deines Gegners eignet.

  1. Reichtum ohne Arbeit
  2. Genuss ohne Gewissen
  3. Wissen ohne Charakter
  4. Geschäft ohne Moral
  5. Wissenschaft ohne Menschlichkeit
  6. Religion ohne Opferbereitschaft
  7. Politik ohne Prinzipien

Darüber hinaus gibt es natürlich weitere Ansatzpunkte für die Entwicklung deines Schurkens. Aspekte, die in seiner Persönlichkeit und Psychologie verankert liegen wie u.a. erlebtes Trauma, Geisteskrankheit oder sein Weltbild – Soziopathen, Psychopathen und andere irre Verbrecher mal beiseite gelassen. Auf die psychologischen Archetypen nach C. G. Jung oder die 16 Persönlichkeitstypen nach Myer-Briggs (MBTI) möchte ich hier nicht eingehen. Schau es dir selbst einmal an. Es liegen großartige Möglichkeiten für Schurken darin verborgen.

Welche Motivation treibt deinen Schurken in den Kampf treiben?
Bedenke: das Profil und die Vorgeschichte spielen dabei eine tragende Rolle. Ebenso deine Entscheidung, wie du den Schurken in der Geschichte positionieren möchtest: Will der Schurke den Helden vom Erreichen seines Ziels abhalten oder will der Held die Missetaten des Schurken verhindern?

Abschließend ein Fundstück aus dem digitalen Universum, dem ich nur zustimmen kann: Auch Schurken sind Menschen, naja, wenigstens meistens. 😉

Academyofultimatevillainy
Gefunden bei gillianbronteadams.com

 

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