Blockiert

Über den Matsch im Kopf.

Heute möchte ich ein paar Worte über Schreibblockaden verlieren.
Diesen sogenannten Writer’s Block musste auch mein persönlicher Writer Blog in den letzten Wochen erfahren: absoluten Stillstand auf der Textschöpfungsebene, eine Art von kreativem Sommerloch.

Ich kann nicht an einem Punkt festmachen, wann und wieso die Blockade auftrat. Es war eher so, dass sie sich unbemerkt eingeschlichen, dann breitgemacht und festgesetzt hat.
Nicht in Form der oft erwähnte Angst vor dem leeren Blatt. Mit leeren Blättern kann ich umgehen. Sobald ich die Ecken vollgedoodled habe, sind sie ohnehin nicht mehr leer.

Es fühlte sich eher so an, als hätte sich die Gehirnmasse den Aggregatzustand gewechselt – von fest über gallertartig zu flüssig, später, auf dem Höhepunkt, von flüssig zu gasförmig. Schließlich waren alle Synapsenverbindungen gelöst und die Gedanken wurden ungreifbar. Ich verlor meine Fähigkeit, eine Essenz aus den Impulsen zu destillieren. Ich sah sie vorbeifliegen, war aber zu langsam, auch nur einen davon zu fangen.
(Und nein – ich konnte auch nicht mit einem Ball darauf schießen, um sie wie ein Pokemon zu erlegen.)

Jedes Mal, wenn ich nur daran dachte, an einem meiner Projekte weiterzuarbeiten, blinkten in meinem Kopf Ausrufezeichen auf, um mich an „wichtigere“ Dinge zu erinnern, die unbedingt zuerst erledigt werden mussten. Vorzugsweise Dinge, die man mit den Händen erledigen konnte, ohne intensive Kopfarbeit. Du kennst das: Prokrastination.

Die Gründe für diesen Zustand möchte ich nicht verallgemeinern, denn sie ankern jeweils in den persönlichen Umständen, genannt Leben. Dem einen steht sein eigener Perfektionismus im Weg oder eine sich schnell nähernde Deadline. Der andere lässt sich von zu vielen Ideen ablenken. Einige quält die Angst vor dem Versagen. Bei manchen ist es die kranke Katze, der Tagesjob, eine verlorene Liebe, die Steuererklärung, die ungewaschene Wäsche. Oder eben alles zusammen. (40 Grad im Schatten sind auch nicht gerade hilfreich.)

Welche Methoden schlägt die Gemeinde vor?
Gibst Du den Begriff „Writer’s Block“ in Google ein, werden Dir „ungefähr 3.580.000 Ergebnisse“ vorgeschlagen, unter „Schreibblockade“ immerhin noch „ungefähr 142.000 Ergebnisse“. Hier eine Liste der am häufigsten wiederholten Tipps, wie der Blockade beizukommen sei:

  • Schreibgerät wechseln
  • Schreibort wechseln
  • Feste oder andere Schreibzeit festlegen
  • Von Druck und Angst befreien
  • Geduld statt Panik
  • Erwartungen herunterschrauben
  • Inspiration bei anderen suchen
  • Meditieren oder Sport treiben
  • Musik hören
  • Etwas anderes Kreatives machen
  • Eine Reise unternehmen
  • Kaffee trinken
  • Dich selbst überraschen
  • Einen Buchladen besuchen
  • Sich ablenken
  • Ablenkungen ausschalten
  • Lesen und Recherchieren
  • Bilderbücher und Fotoalben ansehen
  • Thema wechseln
  • Dir selbst ungewöhnliche Schreibaufgaben stellen
  • Gliederung oder Mindmap erstellen
  • In der Mitte beginnen
  • Das Pferd von hinten auszäumen
  • Kleinen Häppchen schreiben
  • Unsinn schreiben und experimentieren
  • Fehler und Verwurf zulassen
  • Den inneren Kritiker abschalten
  • Ruhen lassen
  • Mit imaginärem Freund darüber sprechen
  • Frustration hinausfluchen
  • Den Abwasch machen
  • Das Auto waschen

Wie du siehst, widersprechen sich etliche der Tipps. Das liegt daran, dass die Methoden gegen die Schreibhemmung so individuell sind, wie die Gründe dafür. Du musst selbst austesten, was dir am Besten weiterhilft.

Möglicherweise geht es dir wie mir: Keiner der oben genannten Tipps stellte sich als zielführend heraus. Geduld, Geduld, Geduld hat letztlich geholfen. Nenn es „Aussitzen“, wenn du willst.

Genauso, wie die Blockade sich eingeschlichen hat, schlich sie auch wieder aus. Ich ahne, dass sie irgendwann zurückkommen wird, aber bis dahin will ich die Zeit nutzen.

Tatsächlich habe ich in den letzten Wochen viele Wörter und Sätze verloren.
Ideen und Themen, die mir durch den Kopf schwirrten, Anfänge, Enden und großartige Mittelpunkte, die vorbeischossen, konnte ich nicht einfangen oder festhalten, geschweige dann auf Papier bannen. Sie waren flüchtig wie Äther.

Das ist vorbei. Jetzt kann es weitergehen.

Kennst Du diesen Zustand? Schreib mir Deine Erfahrung mit der Schreibblockade.