Wellenreiten

oder: Wer hat den längsten …?

Kennst du das? Der Schreibfluss stockt, die Geschichte tritt auf der Stelle, ein ach so wichtiger Aspekt stellt sich quer. Langer Atem und Recherche sind angesagt.

Voller Tatendrang werfe ich mich auf mein virtuelles Surfboard und schon geht es los: die erste Welle. Toll, was da alles steht, so hilfreich, so ungeheuer wichtig. Ich bookmarke und notiere wie verrückt. Das bringt meine Geschichte um Meilen nach vorne, wenn ich nur noch diesen einen Gedanken vertiefe.

Hopp. Auf der zweiten Welle surft es sich schneller – und weiter. Immer weiter weg von der eigentlichen Frage. Egal, es macht so viel Spaß – und was man dabei alles lernt …

Hopp, hopp – dritte, vierte, fünfte Welle. Zwei Stunden vorbei? Was soll’s – der Tag hat vierundzwanzig davon. Wenn ich jetzt aufhöre, komme ich nie wieder an diesen entscheidenden Punkt. Vom Jagdfieber auf Monsterwellen gepackt surfe ich weiter.

Hopp, hopp, hopp.

Als ich Stunden später ermattet vom Surfbrett springe, schwirrt mir der Kopf und die Finger krampfen. Die Ausbeute in meinem Netz versetzt mich in Verwunderung. Echt jetzt? Was war nochmal die Ausgangsfrage?

Meine Beute – ungelogen:

Die längste Ortsbezeichnung der Welt:
Taumata­whakatangihanga­koauau­o­tamatea­turi­pukaka­piki­maunga­horo­nuku­pokai­whenua­ki­tana­tahu
ist der Maori-Name für einen 305m hohen Hügel in Neuseeland und hat ungefähr die poetische Übersetzung: „Der Ort, an dem Tamatea, der Mann mit den großen Knien, der Berge hinabrutschte, emporkletterte und verschluckte, bekannt als der Landfresser, seine Flöte für seine Geliebte spielte“.

Mattgrosso
Foto: Mattgrosso

Der längste Ortsname Europas:
Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­llantysilio­gogogoch
ist ein Dorf auf der walisischen Insel Anglesey und bedeutet in etwa: „Marienkirche in einer Mulde weißer Haseln in der Nähe des schnellen Wirbels und der Thysiliokirche bei der roten Höhle“.

Raphael Frey
Foto: Raphael Frey

Der längste Ortsname in Deutschland:
Hellschen-Heringsand-Unterschaar in Schleswig-Holstein steht mit seinen dreiteiligen 32 Buchstaben gegen Schmedeswurtherwesterdeich (ebenfalls Schleswig-Holstein) mit 26 Buchstaben in einem Wort im Rennen um den ersten Platz. Ernüchterung – irgendwie typisch deutsch. Bei beiden fehlt mir die Poesie.

Dt-Schild
Foto: BestFeWo

Irgendwann wird mir das irgendwie ganz bestimmt noch einmal nützlich sein. Denke ich. Hoffe ich.
Ja, ja, das Internet – so lehrreich und auskunftsfreudig. Immer wieder ein zeitfresserischer Genuss.